Skorpion – Trauma, Scham und Schuld

Die Zeit des Skorpions gibt uns die Gelegenheit zu prüfen an wen oder an was wir gebunden sind, wovon wir nicht loskommen, worauf wir fixiert sind, was uns belastet und unsere Lebendigkeit unterdrückt. Skorpion-Energie bringt uns in Kontakt mit persönlichen und kollektiven Tabus.

Skorpion und sein Herrscherplanet Pluto symbolisieren unsere „untere Welt“. Dort warten ungeliebte Gefühle und Empfindungen und verleugnete Seiten von uns darauf, gesehen, angenommen und integriert zu werden.

Aber wollen wir das, was uns peinlich ist, was uns schmerzt und beschämt, wirklich ans Licht bringen? Nein, bevor es uns bewusst werden könnte, halten wir es „unten“. Wir halten es geheim, sogar auch vor uns selbst. Das macht im akuten Fall einer traumatischen Erfahrung auch sehr viel Sinn, denn Abspaltung und Verdrängung ermöglichen uns das Weiterleben. Den Preis für diesen Überlebensmechanismus zahlen wir durch eine Reduzierung unserer Lebensenergie. Auf diese Weise hält Pluto Teile von uns in seiner Unterwelt gefangen. Diese „untoten“ Anteile nehmen nicht mehr am Leben Teil, sie bleiben im persönlichen Seelenraum als unverarbeitete Erfahrungen.

Pluto-Bild einer Teilnehmerin von Astrologie und Malerei

Pluto bewahrt jedoch nicht nur unsere persönlichen abgespaltenen Empfindungen und Erinnerungen. In seiner Umlaufzeit von ca. 245 Jahren speichert er unverarbeitete Erlebnisse und abgespaltene Traumata von mehr als sieben Generationen! Alles was nicht bewältigt, betrauert und verarbeitet werden konnte, gärt in der Tiefe des kollektiven Unbewussten weiter. Viele unserer Schuldgefühle, Ängste, Fixierungen und Blockaden sind ein Erbe unserer Ahnen. Denn alles was nicht ans Licht kommen durfte, wird durch die kollektive „untere Welt“ weitergereicht und an nachfolgende Generationen vererbt. So lange es nicht gesehen, gefühlt und angenommen werden kann, verzerrt es über Generationen hinweg unsere Sicht auf die Welt.

In die Skorpionzeit fällt sowohl das alte keltische Fest Samhain als auch Allerheiligen/Allerseelen: Der Abschied vom Licht, der Eintritt in die Dunkelheit und der Übergang vom Leben zum Tod wurden sehr ernst genommen. Sie wurden rituell gefeiert und hatten ihren Platz im großen Kreislauf des Lebens. Man wußte um die „Anderswelt“ und begegnete ihr mit größtem Respekt. Bei Halloween, dem aus den USA importierten Konsumspektakel, soll die Dunkelheit nur schnell weggefeiert, weggesoffen, wegkonsumiert und weggelacht werden. Den, als Un-Tote und Monster, Verkleideten gruselt es „nett“ wenn sie „Blutsuppe“ löffeln… Aber auch das „Nichthinschauenwollen“ hat kollektiv eine lange Tradition. Bereits die alten Griechen opferten Hades, ihrem Gott der Unterwelt, nur mit abgewandtem Gesicht.  

Die gängigste Art ungeliebte und beängstigende Seiten zu leugnen und loszuwerden, ist die Projektion auf andere Menschen, Gruppen, Völker. Statt den Ursachen IN uns auf die Spur zu kommen und dadurch frei zu werden, verlieren wir unsere Kraft und Handlungsfähigkeit in einer Art Schattenboxen, bei dem wir uns verausgaben und nichts erreichen. So verstricken wir uns tiefer in Projektionen und Pluto hat uns im Griff… Alles Unerlöste und Unterdrückte drängt früher oder später ans Licht und zwingt (!) uns in die Auseinandersetzung. Erst wenn wir uns dieser Auseinandersetzung stellen gewinnen wir unsere Lebenskraft zurück, dann schenkt uns Pluto den Schatz der Selbstbestimmung und der Treue zu unserem Seelenauftrag.

Dein geheimstes Geheimnis

Eine heilsame Exploration der Skorpion-Energie: 

Gib dir etwas Zeit für dich alleine und spüre in dich hinein. Lass in Dir hochkommen was du bisher niemals irgendjemandem von dir mitgeteilt oder gezeigt hast. Dein allergeheimstes Geheimnis! Etwas das dir so peinlich ist, dass es nie rauskommen darf… Etwas, dass noch nicht mal dein Liebster oder deine Liebste von dir weiß. Wenn du etwas gefunden hast, schreib es auf einen Zettel, schau es dir an und lies es dir selbst laut vor. Lass es wirken, und dann stell dir vor eine andere Person würde dir das erzählen. Wie würdest du reagieren? Würdest du diese Person verurteilen? Würdest du sie verachten? Könntest du sie verstehen? Könntest du sie dennoch in dein Herz schließen? Erlaub dir alles wahrzunehmen und zu spüren was in dir auftaucht. Beurteile es nicht, sei einfach neugierig. Und sei dir sicher, was auch immer es ist, du bist nicht alleine damit. Du bist nicht die oder der Erste der so etwas getan, erlebt, empfunden hat. Spüre nach wie es dir geht jetzt, nach dem du dir selbst dieses Geheimnis eingestanden hast. 

Pat Macabe „Woman stands shining“, eine indigene Trauma-Therapeutin und Schamanin nennt die Verstrickungen Plutos das „Werk des Tricksters“. „The trickster has always been around“ sagt sie, er wird immer versuchen dich oder mich zu kriegen, zu unterdrücken, zu verführen… Erst wenn ich wirklich hinschaue, wenn ich Zeugin von Schmerz, Angst, Scham, Ohnmacht und Machtgelüsten sein kann, wenn ich meine und deine Dunkelheit nicht leugnen muss, gehe ich dem Trickster nicht mehr auf dem Leim. Dann entsteht heilendes Mitgefühl für Täter und Opfer. Ich trete heraus aus dem Schatten traumatischer Erfahrungen in meine selbstbestimmte Kraft.

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