Pluto/Saturn – „Bevor ich mich bewege, lass ich lieber alles zugrunde gehen“

Im Januar 2020 begegnen sich Saturn und Pluto zu einer Konjunktion. Stellt euch das so vor: Zwei Personen zusammen in einem engen Raum, unausweichlich miteinander konfrontiert. Keine von Beiden hat auch nur das geringste Interesse sich zu öffnen. Beide haben „dicht gemacht“. Mit versteinerten Mienen schaut jede in eine andere Richtung. An Austausch ist nicht zu denken. Beide drücken aus: „Es ist Tabu in alten Wunden zu bohren! Frag mich nichts!“ Der unterschwellige Druck dieser Konstellation spült jedoch zwangsläufig altes traumatisches Material aus der kollektiven Psyche an die Oberfläche und zwingt zur Auseinandersetzung.

Die bereits seit 2008 (Plutos Eintritt ins Zeichen Steinbock) wirkende Konstellation von Pluto und Saturn, aktiviert im Kollektiv machtbesessene und „autoritätsgebundene“ Persönlichkeiten. Wer wenig Verantwortungsfähigkeit, gesunde Autorität und inneren Halt (Saturn) in sich entwickeln konnte, sucht machtvolle (Pluto) Autoritäten (Saturn) „die Ordnung schaffen“. Das macht empfänglich für primitive, populistische „Wahrheiten“ und Versprechen. In vielen Ländern, deren Führer sich extrem reaktionär, irrational und machtbesessen gebärden, manifestieren sich zurzeit die Auswirkungen von kollektivem Trauma.

Wenn es um traumatische Erfahrungen geht unterscheiden sich die Reaktionen eines Kollektivs, einer Gesellschaft, nicht wesentlich von den Reaktionen eines einzelnen Menschen: Unterdrücken (Pluto) und Erstarren (Saturn) sind Folgen von Trauma. Es sind Überlebensstrategien, damit Unerträgliches nicht mehr gespürt werden muss und das Leben weitergehen kann.

Auch wenn kollektive Ereignisse lange zurückliegen und vergessen scheinen, die traumatischen Erfahrungen bleiben im Kollektivgedächtnis (Pluto) gespeichert und wirken unterbewusst weiter, bis Lösung und Heilung möglich sind. Alle Reaktionen, die während und nach einem Trauma auftreten, sind im Sinne des Überlebens höchst sinnvoll, intelligent und nützlich. Aber auf Dauer führen diese Schutzmuster zu einer eingeschränkten Wahrnehmung, das Leben fühlt sich schwer und weniger lebendig an. Diese Schwere ist besonders in Deutschland seit dem Ende des zweiten Weltkrieges deutlich spürbar.

Trauma gehört zu den Urerfahrungen der Menschheit, die uns über alle Grenzen hinweg verbindet. Statt uns wieder und wieder Abzuspalten und „Dicht zu machen“ können wir lernen uns Selbst und andere Menschen, über alle Grenzen hinweg, auf mitfühlende Weise wahrzunehmen.

Nichts anderes haben uns die großen Weisheitslehrer der Menschheit zu allen Zeiten ans Herz gelegt!

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